Dublin: Tim Lauschke berichtet aus Dublin (Irland)
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Schon, als ich vor 5 Jahren das erste Mal in Irland im Urlaub war, hat mich dieses Land in
seinen Bann gezogen, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir einen Traum erfüllen
und wieder einmal dorthin reisen würde. Dieses Jahr hatte ich endlich die Chance: Auf der
Suche nach Möglichkeiten, wie ich meinen Sommer verbringen könnte, bin ich auf team!-
Sprachreisen aufmerksam geworden. Kaum war die Reise gebucht, verging die Zeit rasend
schnell, und pünktlich sechs beziehungsweise zwei Wochen vor Reiseantritt bekam ich die
sehnsüchtig erwarteten Briefumschläge mit dem „team!“-Schriftzug, in denen ich die
Informationen über den Ablauf der Reise, über meinen Flug und vor allem über meine Schule
und Gastfamilie erhielt. Meine Vorfreude war kaum zu bremsen.

Zwei Tage vor meinem Abflug rief ich bei meiner Gastfamilie an, sowohl, um mich kurz
vorzustellen, als auch, um noch ein paar Dinge zu erfragen, die mich interessierten. Obwohl
Englisch in der Schule zu meinen besten Fächern gehörte, war es doch das erste Mal, dass ich
tatsächlich ein längeres Gespräch mit Muttersprachlern in dieser Fremdsprache führen würde.
Entsprechend war ich vor diesem Telefonat sehr nervös und als mein Gastvater abhob, blieb
dieses Gefühl bestehen, da ich ihn aufgrund seines ziemlich starken Akzents kaum verstand
und mir auch die zuvor zurechtgelegten Phrasen nicht viel halfen. Glücklicherweise nahm
kurz darauf meine Gastmutter den Hörer in die Hand. Sie verstand ich wesentlich besser, und
wir führten eine nette Unterhaltung. Ich erfuhr einiges über die Familie, in der ich die
nächsten drei Wochen verbringen würde, über die anderen Sprachschüler, die zur selben Zeit
bei ihnen wohnten und über den Ablauf des Tages meiner Ankunft. Gleichzeitig bescheinigte
sie mir, dass mein Englisch exzellent sei, was mich sehr viel ruhiger stimmte, und so legte ich
den Hörer am Ende mit einem guten Gefühl auf.

Am Sonntag, den 03. Juli, saß ich in aller Frühe im Terminal des Leipziger Flughafens
und wartete auf meinen Flieger nach Frankfurt, wo ich umsteigen musste. Mir schossen viele
Gedanken durch den Kopf, ob denn bei der Hinreise alles glatt gehen würde, wo ich doch
zuvor fast noch nie geflogen war, zudem noch nie allein und auch noch nicht mit Umsteigen.
Die Reise verlief zum Glück ohne Zwischenfälle. Auch am riesigen Frankfurter Flughafen
fand ich problemlos mein Gate, wobei ich dennoch froh bin, dass ich über zwei Stunden Zeit
zwischen den beiden Flügen hatte. Noch ziemlich müde, hatte ich keine große Lust, die ganze
große Wartehalle nach anderen Sprachschülern abzusuchen. Daher bemerkte ich erst im
Innern des Flugzeugs einen Jungen mit einem roten „iSt“-Anhänger am Koffer. Ich war froh,
an der Gepäckausgabe in Dublin noch weitere solche Koffer zu sehen, wobei meiner der
einzige mit dem gelben „team!“-Anhänger war. Dies stellte jedoch kein Problem dar: Diese
beiden Organisationen arbeiten eng zusammen, weshalb ich in den nächsten drei Wochen
offiziell zur iSt-Gruppe gehörte. Wir vier, die wir gleichzeitig in Dublin ankamen, wurden
auch alle zusammen am Flughafen abgeholt und mit einem Taxi zu unseren Gastfamilien
gebracht. (Ich hätte mich in dem Taxi beinahe hinter das Lenkrad gesetzt, aber abgesehen
davon gelang mir die Umstellung auf den Linksverkehr relativ problemlos.)

Als ich bei meiner Gastfamilie ankam, wurde ich zunächst von meinem Gastvater sowie
meinem französischen Mitbewohner sehr warmherzig empfangen. Meine Gastmutter kam erst
später von der Arbeit nach Hause. Sie setzte uns gleich in ihr Auto und fuhr uns den Weg zur
Bushaltestelle und die ganze Malahide Road entlang, an der sich auch unsere beiden Schulen
befanden. Sie zeigte uns, wo wir aus dem Bus zu steigen hatten, sowie markante Punkte, an
denen wir uns orientieren konnten, und erklärte uns, was wir sonst noch so beachten müssten
(z.B. dass man in Dublin an der Bushaltestelle die Hand raushalten muss, damit der Bus
anhält). Den restlichen Sonntag verbrachten wir zu Hause, unterhielten uns, lernten uns näher
kennen, aßen gemeinsam zu Abend und gingen sogar noch zusammen ins Kino.

Am nächsten Morgen fanden sich im Foyer der Schule nach und nach all die Schüler aus
Deutschland und anderen Ländern ein, mit denen ich die nächsten Wochen verbringen würde.
Unsere Gruppenleiterin schrieb sich unsere Handynummern auf (sofern unsere Handys im
irischen Netz funktionstüchtig waren), händigte uns ein Informationsblatt für die Gasteltern
aus und erklärte uns den Ablauf des Schulalltags. Dann wurden wir in den Speisesaal gerufen,
wo wir einen Einstufungstest absolvierten – etwas Grammatik, einen kurzen Text zu einem
vorgegeben Thema schreiben, fertig. Danach war Pause und wir trafen uns mit unserer
Gruppenleiterin, von der wir nun unsere Busfahrkarten (die für Busse und Bahnen im
gesamten Großraum Dublin gültig waren) ausgehändigt bekamen. Außerdem bot die Pause
Gelegenheit, den Inhalt des Lunchpakets zu verzehren, das meine Gastmutter mir jeden Tag
liebevoll zubereitete. Es bestand meist aus einem Sandwich mit Schinken oder Käse oder
wasauchimmer, etwas Süßem, einem Saftpäckchen und... einer Tüte Chips. Zu erwähnen ist,
dass das irische Essen insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig ist; Fertiggerichte und Fast
Food sind eher die Regel als die Ausnahme. Und: es gibt zu so gut wie jedem Essen
Kartoffeln in irgendeiner Variation (ja, selbst Pizza mit Pommes war eine mögliche
Kombination). In meiner Gastfamilie hat mir das Essen aber meistens geschmeckt.
Zurück zur Schule: Nachdem der Test ausgewertet war, wurden wir in unsere Klassen
aufgeteilt, wobei wir nicht gleich erfuhren, in welchem Level wir uns überhaupt befanden.
(Jedoch war es kein Problem, die Klasse zu wechseln, wenn man sich unter- oder überfordert
fühlte.) In der Klasse angekommen, machten wir zunächst eine kleine Vorstellungsrunde und
lernten uns gegenseitig näher kennen. In der anschließenden Mittagspause versammelten wir
uns erneut bei unserer Gruppenleiterin, trafen die Schüler der deutschen Gruppe, die schon
eine Woche da waren und warteten auf unsere erste Aktivität, die für die Neuen stets hieß:
orientation tour durch das Dubliner Stadtzentrum. Uns wurden Sehenswürdigkeiten und
markante Orte gezeigt und ein erster Einblick in das Leben in dieser Stadt gewährt.
Anschließend fanden wir selbstständig den Weg zurück zu unseren Gastfamilien, wo wir
unser Abendessen einnahmen, um uns kurz darauf wieder nahe der Schule zu treffen. Von dort
aus ging es mit der Bahn in den malerischen Küstenvorort Dun Laoghaire im Süden von
Dublin. Ein Spaziergang entlang der Promenade und ein anschließendes Eis waren eine sehr
gute Gelegenheit, die anderen Schüler der Gruppe weiter kennenzulernen.

Erst am nächsten Tag folgte der Unterricht dem „Stundenplan“: anderthalb Stunden
Grammatik, dann Pause und Treffen mit der Gruppenleiterin, dann anderthalb Stunden
Konversation. Meine Klasse war zusammengesetzt aus Schülern unterschiedlichster
Nationalitäten (anfangs zwei weitere Deutsche, eine Spanierin, eine Französin und eine
Südtirolerin; im Laufe der Zeit kamen weitere SchülerInnen aus Deutschland, Spanien,
Frankreich, Italien, Österreich und sogar eine Argentinierin hinzu). Diese Mischung brachte
den Vorteil mit sich, dass wir gezwungen waren, Englisch zu reden und uns nicht etwa im
Unterricht nur mit anderen Deutschen in unserer Muttersprache zu unterhalten. (Dies war, wie
ich gehört habe, leider unter den Spaniern in einigen Klassen der Fall. Von allen
Nationalitäten waren die Spanier mit Abstand am meisten vertreten.) Der Unterricht war stets
abwechslungsreich gehalten mit Spielen, gelegentlichen Rätseln und Quizzen. Mancher
Lehrer brachte den Schülern sogar irische Lieder bei. Zwar bekamen wir auch Hausaufgaben,
doch dienten diese nur dazu, das Gelernte noch einmal kurz ins Gedächtnis zu rufen und
nahmen nur wenige Minuten in Anspruch.
An diesem Nachmittag stand Sport auf dem Programm, so wie jeden Dienstag und
Donnerstag. Wir hatten dabei ein breit gefächertes Angebot – Fußball, Basketball, Tischtennis,
Badminton, ja selbst Tanzen wurde uns angeboten. (Ich selbst verbrachte dabei die meiste Zeit
aber an einem der Klaviere in der Schule.) Nach dem Sport hatten wir wieder Freizeit, in der
wir ins Stadtzentrum fuhren, uns mit Freunden trafen oder zu unseren Gastfamilien
zurückkehrten.
Ansonsten standen nachmittags Ausflüge in die Stadt auf der Tagesordnung, beispielsweise
ins Guinness-Storehouse, auf eine Liffey-Bootstour, in diverse Museen, auf ein nachgebautes
Emigrantenschiff aus der Zeit der Hungersnot, in den Croke Park (das drittgrößte Sportstadion
Europas) etc., etc. Unsere Freizeit kam dabei nie zu kurz.

Ebenso abwechslungsreich war das Abendprogramm: Wenn wir nicht zum Bowling, ins Kino oder zur
von der Schule einmal wöchentlich organisierten Disco gingen, fuhren wir zum Beispiel in
den Küstenort Malahide im Norden von Dublin oder zu anderen Zielen in der Umgebung.
Auch einem Hurling-Match und einem Hunderennen wohnten wir bei. Besonders
erwähnenswert für Irish-Folk-Interessierte ist außerdem die Irish Traditional Night, wo uns
Musik und Tanz vorgeführt, einiges Interessantes erklärt und das Publikum sogar selbst zum
Ausprobieren angeregt wurde (beispielsweise zum Spielen der irischen Rahmentrommel
Bodhrán).
Jeden Samstag stand außerdem ein Ganztagsausflug an: einmal besuchten wir das Städtchen
Athlone im Westen Irlands, wo wir die Klostersiedlung Clonmacnoise besichtigten und eine
Bootstour auf dem Shannon machten, das nächste Mal ging es in die prachtvolle Parkanlage
Powerscourt Gardens sowie nach Glendalough in den Wicklow Mountains (leider nahm uns
das Wetter – ja, eben das vermeintlich typische irische Wetter – die Freude an diesem
zauberhaften Tal). Und beim dritten Mal traten wir sogar den weiten Weg nach Belfast an.
Dies war für mich gewissermaßen der krönende Abschluss, denn am nächsten Tag hieß es
„slán“ – die Heimreise stand bevor. Die letzten gemeinsamen Fotos wurden geschossen und
sich ausgiebig von den neu gewonnenen Freunden aus aller Herren Länder verabschiedet. Mit
vielen von ihnen stehe ich immer noch in Kontakt und auch meine Gastfamilie hört ab und an
noch etwas von mir.

Ich könnte noch seitenweise über diese Reise schreiben und dennoch nicht alle Eindrücke
wiedergeben, die ich in diesen drei Wochen aufgenommen habe. Das einzige, was ich noch
tun kann, ist, allen, die das hier lesen, zu empfehlen, eine Sprachreise nach Dublin zu machen.
Sowohl aus sprachlicher als auch aus touristischer Sicht lohnt es sich wirklich. Man
verinnerlicht die Fremdsprache auf eine unbeschwerte und Freude bereitende Weise und lernt
dabei auch noch wundervolle Menschen und eine wundervolle Stadt kennen. Ich denke noch
oft an diese Reise zurück und wünschte, sie wäre länger gewesen als nur drei Wochen.